Beethoven II (NCN, DFG)
Forschungsprojekt (2018-2020):
Die Entwicklung des polnischen Aspektsystems in den letzten 250 Jahren auf dem Hintergrund der Nachbarsprachen
(DFG-Projektnummer 380115654)

 

 
Zum Projekt

Das von Prof. Dr. Björn Wiemer (Universität Mainz) und Prof. Dr. Marek Łaziński (Universität Warschau) geleitete Projekt Die Entwicklung des polnischen Aspekts in den letzten 250 Jahren auf dem Hintergrund der Nachbarsprachen gilt der Erstellung eines Profils des gegenwärtigen polnischen Verbalaspekts und seiner Entwicklung über die letzten 250 Jahre, kontrastiv zum Russischen und Tschechischen. Den Hintergrund liefern innerslavische Kontinua bei Funktionshierarchien und in der Interaktion des Aspekts mit anderen Verbkategorien und Unterscheidungen auf Satz- und Diskursebene. Das Deutsche dient als unabhängige Vergleichsgröße, da es keinen Aspekt besitzt, aber Tempuswahl erfordert und wie „Aspektsprachen“ auf dieselben funktionalen Oppositionen auf grammatischer und Diskursebene „reagieren“ muss. Unter Rückgriff auf rezente Forschungsergebnisse zur arealen Ausdifferenzierung des Aspektgebrauchs und der Muster der Aspektpaarigkeit stützt sich das Projekt auf ein Modell, durch das Korrelationen zwischen synchronen innerslavischen Unterschieden im Aspektgebrauch und der diachronen Ausformung slavischer Aspektsysteme in verschiedenartigen Domänen klar identifiziert werden können. Dem Polnischen kommt ein Übergangsstatus zwischen dem Ostslavischen und den südwestlichen slavischen Nachbarn zu; vor allem deshalb kann seine Sprachgeschichte der letzten 250 Jahre als geeigneter Testfall für dieses Modell dienen.

Aus funktionaler Sicht liegt der Fokus auf bisher vernachlässigten Gesichtspunkten: bestimmte Untertypen des nichtaktuellen Präsens, feinere Unterscheidungen der Iterativität, die Aspektwahl im Kontext modaler und propositionaler Modifizier (oder Konstruktionen). Ferner wird in juristischen Texten die Interpretation von Accomplishment-Prädikaten im Präsens durch Juristen und „naive“ Sprecher untersucht. Hinsichtlich der morphologischen Derivation wird bestimmt, wie Inkonsistenz bei der Bildung von Aspektpaaren durch die Beseitigung von ‘Tripeln’ sowie von biaspektuellen und tantum-Verben abgebaut worden sind. Zur Klärung dieser Fragen wird ein polnisch-deutsches Parallelkorpus aufgebaut, welches die letzten 250 Jahre erfasst. Das Korpus wird für Belange der slavischen Aspektologie, insbesondere für die oben genannten Ziele, annotiert; es wird aber auch anderen Linguisten und Spezialisten verwandter Disziplinen nützen und so einen praktischen Langzeiteffekt aufweisen.